Heute teilte sich unsere Wandergruppe. Aufgrund des schlechten Wetters und der immer noch aktuellen Gewitterwarnung wollte ich so schnell wie möglich über den noch über 5 km entfernten, 2500 m hohen Pass, der von Frankreich nach Italien führte, ohne auch nur einen Meter vom Weg auszulassen. Meine Eltern hingegen wollten lieber etwas länger schlafen und den Bus bis zum Aufstieg nehmen.
Also begann mein Tag schon um 5 Uhr morgens. Ich packte alles im leichten Regen zusammen und machte mich abflugbereit. Nur kurze Zeit später lief ich mit meiner Stirnlampe die Straße aus Les Chapieux hinaus in Richtung des Refuge des Mottets. Zum Glück hellte es langsam auf, als der Weg von der Straße abzweigte und mich im mittlerweile starken Regen durch den Matsch über viele Kuhwiesen führte. Eigentlich wäre es ganz schön gewesen, wenn nur das Wetter besser gewesen wäre – mittlerweile peitschte der Regen gegen meine Kapuze.
Am Refuge des Mottets angekommen, stellte ich mich zu einer Gruppe Wanderer, die nicht so recht wussten, wie es weitergehen sollte. Außerdem konnte mir keiner der Anwesenden sagen, ob der Bus meiner Eltern bereits angekommen war.
Dort kam ich jedoch mit Maciek ins Gespräch, und wir entschieden uns, den Aufstieg trotz des Wetters zu wagen. Wir gaben richtig Gas, um zumindest das Rifugio Elisabetta vor einem möglichen Unwetter zu erreichen. Auf dem Weg nach oben mussten wir mehrere Bergbäche überqueren, die so breit geworden waren, dass es nahezu unmöglich war, mit trockenen Füßen auf der anderen Seite anzukommen. Außerdem hörte man etwa 200 m unter dem Gipfel einen kräftigen Donner, aber das war auch alles, was wir vom Gewitter mitbekamen.
Oben angekommen, währte die Freude, Italien erreicht zu haben, nicht lange. Der Wind wehte eisig und erbarmungslos in unsere Gesichter. Wir entschieden uns, ins Rifugio Elisabetta zu gehen, um uns mit einem warmen Tee aufzuwärmen, und verbrachten dort bestimmt eine Stunde, bevor es weiterging. Mittlerweile waren so viele Leute dort angekommen, dass es gar nicht so leicht war, sich den Weg ins Freie zu bahnen.
Glücklicherweise hatten der Regen und auch der Wind nachgelassen. An einer Kreuzung überlegten wir kurz, ob wir eine niedrigere Route nehmen sollten, entschieden uns aber schließlich für die anstrengendere Hochroute.
Der Weg war gut begehbar, und bald erreichten wir die verlassene Après-Ski-Region vor Courmayeur. Von dort führte ein rutschiger, matschiger Abstieg nach unten. Es war die Hölle. Es ging gar nicht mehr darum, das Rutschen der Schuhe im tiefen Schlamm zu verhindern, sondern nur darum, die Richtung zu kontrollieren.
Erschöpft, aber glücklich, erreichten wir schließlich die Stadt. Der Regen hatte aufgehört, und von dem stürmischen Wetter war keine Spur mehr zu sehen.
Wir teilten uns ein Zimmer für 150 Euro im selben Hotel wie meine Eltern.
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