Der Regen dauerte die ganze Nacht an, hörte aber glücklicherweise auf, als mich der Ruf der Natur aus dem Zelt hin zum Klohäuschen trieb. Wir hatten uns vorgenommen, unseren Tag früh zu beginnen und auch früh auf einem Campingplatz nach gerade einmal 13 km zu beenden.
Das Wetter sollte nämlich wieder schlechter werden – nicht nur Regen, sondern auch Gewitter waren angekündigt, wie uns unsere Handys warnten. Kein Wetter, in dem man sich auf 2500 m Höhe aufhalten möchte. Wir wollten wenigstens noch ein paar Kilometer schaffen, bevor das Unwetter losbrach. Also packten wir um 6 Uhr morgens unsere Sachen zusammen und waren um 7 Uhr bereits auf dem Trail.
Wir waren so ziemlich die ersten, die den Platz verließen, und hatten den Weg zunächst für uns allein. Das änderte sich jedoch schlagartig, als wir beim Refuge de la Balme auf etwa 1700 m ankamen. Dort gab es nicht nur die Möglichkeit, im Refuge zu übernachten, sondern auch einen Biwakplatz, der deutlich voller war als unser Übernachtungsplatz.
Von hier an waren wieder unglaublich viele Menschen auf dem Trail. Bei steilen Anstiegen fühlte ich mich wie in einer Supermarktschlange, die nicht vorwärtskommt. Die spektakuläre Hochebene und die atemberaubende Aussicht entschädigten jedoch immer wieder für das Gedränge.
Am Gipfel angekommen, fanden wir eine kleine Schutzhütte, und wir waren nicht die Einzigen, die dort eine Pause einlegten.
Von hier gab es noch eine kurze Klettereinlage, die aber weder schwierig noch ausgesetzt war. Danach führte der Weg nur noch an einer großen Schafherde vorbei in Richtung des nächsten Refuges. Kurz bevor man dieses erreicht, hat man die Möglichkeit, eine alternative Route einzuschlagen: die Variante über den Col des Fours, die die klassische Route um ein paar Kilometer verkürzt, jedoch durch hochalpines Gelände führt und aufgrund der Wetterbedingungen erst später im Jahr begangen werden kann.
Da unsere Wetterbedingungen zwar gut waren, wir aber wegen der Gewitterwarnung auf unseren Handys etwas misstrauisch blieben, gingen wir am Refuge vorbei und stiegen die hart erarbeiteten 1000 Höhenmeter wieder hinunter bis nach Les Chapieux.
Les Chapieux ist ein kleiner, niedlicher Ort mit einem Campingplatz auf Spendenbasis, einer öffentlichen Toilette, einem kleinen Tante-Emma-Laden und zwei Möglichkeiten, essen zu gehen. Eigentlich gab es hier alles, was man brauchen könnte – bis auf Handyempfang. Das war einerseits ganz angenehm, andererseits schlecht, wenn man den aktuellen Wetterbericht haben möchte.
Auf dem Campingplatz kamen wir schnell mit anderen Wanderern ins Gespräch, die sich zu uns an den Tisch setzten. Wer gerne neue Leute kennenlernen möchte, ist auf der Tour du Mont Blanc bestens aufgehoben. So sehr ich auch darüber jammere, dass es so voll ist, muss ich doch zugeben, dass dies besonders für Alleinreisende eine schöne Sache ist.
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