Camino Invierno die Winterpilgerroute nach Santiago de Compostela

Im Frühjahr 2026 haben wir den Camino Invierno gemacht, von Ponferrada nach Santiago de Compostela. Nach unserer ersten Pilgerroute, dem Camino Primitivo, hatten wir Blut geleckt und wollten mehr von Spanien sehen – aber nicht alles am Primitivo hatte mir gefallen. Ich empfand den Weg als recht voll. Verglichen mit dem Camino Francés ist da natürlich trotzdem nicht viel los: 2025 haben 242.033 Pilger den Francés beendet und 27.868 den Primitivo. Da sticht der Camino Invierno mit gerade mal 2.758 Pilgern deutlich hervor.

Aufmerksam auf den Weg geworden bin ich nur durch einen YouTube-Kommentar, und nach der ersten Recherche hatte ich mich direkt in die roten Felsen von Las Médulas verliebt. Da war mir klar: Das wird unser nächster Camino.

Allgemeine Informationen zum Camino Invierno

Der Camino Invierno (zu Deutsch „Winterweg“) führt über rund 263 Kilometer von Ponferrada nach Santiago de Compostela und wird meist in 10 bis 12 Etappen gegangen. Die meisten Tagesetappen liegen zwischen 20 und 28 Kilometern, ein paar kürzere Tage sind dabei, einzelne ziehen sich Richtung 30 Kilometer.

Gestartet wird in Ponferrada (rund 550 m Höhe) in Kastilien-León, direkt an der berühmten Templerburg. Von dort zweigt der Weg vom Camino Francés ab und folgt im Großen und Ganzen dem Tal des Flusses Sil tief nach Galicien hinein. Eine Besonderheit: Der Camino Invierno ist die einzige Route, die durch alle vier galicischen Provinzen läuft – Ourense, Lugo, Pontevedra und A Coruña. In den letzten beiden Etappen, etwa ab Lalín, mündet er in den Camino Sanabrés und teilt sich von dort den Weg bis vor die Kathedrale.

Große, schroffe Bergpässe wie das O Cebreiro am Francés gibt es hier nicht. Trotzdem ist der Invierno kein flacher Spaziergang: Da der Weg mehrere Flusstäler quert, geht es ständig auf und ab – meist in eher sanften, dafür aber regelmäßigen Anstiegen. Höhepunkte sind die roten Felsen von Las Médulas (UNESCO-Welterbe) und die spektakuläre Weinregion Ribeira Sacra mit ihren steilen Terrassen über dem Sil und dem Miño. Mit seinen 263 Kilometern liegt der Weg außerdem deutlich über den 100 Kilometern, die man für die Compostela braucht.

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Kurz zusammengefasst:

  • Strecke: ca. 263 km
  • Start / Ziel: Ponferrada → Santiago de Compostela
  • Etappen: 9–14 (je nach Tempo)
  • Provinzen: Kastilien-León plus alle vier galicischen Provinzen
  • Pilgerzahl 2025: 2.758 (eine der ruhigsten offiziellen Routen)

Die Geschichte des Camino Invierno

Der Name verrät schon, worum es geht. Der Camino Invierno entstand im Mittelalter als „Winterweg“ – eine Ausweichroute für Pilger, die dem schneereichen Aufstieg nach O Cebreiro am Camino Francés entgehen wollten. Statt in die Berge zu klettern, folgten sie dem tiefer gelegenen, ganzjährig begehbaren Tal des Sil nach Galicien.

Die Wurzeln reichen aber noch viel weiter zurück. Ein langer Abschnitt des Weges folgt einer alten Römerstraße, die einst gebaut wurde, um das Gold aus den Minen von Las Médulas abzutransportieren. Las Médulas war die wichtigste Goldmine des Römischen Reiches: Mit einem über 100 Kilometer langen Kanalsystem leiteten die Römer Wasser heran und sprengten damit ganze Hügel auf, um an das Gold zu kommen. Übrig geblieben ist diese gespenstisch schöne Landschaft aus tiefroten Felstürmen, die heute zum UNESCO-Welterbe gehört.

So verbindet der Camino Invierno auf engem Raum gleich mehrere Epochen: römischen Bergbau, mittelalterliche Pilgertradition, romanische Klöster der Ribeira Sacra und uralte Dörfer. Lange war er fast vergessen – erst in den letzten Jahren wurde er als offizielle Jakobsweg-Route wiederbelebt und besser ausgeschildert.

Transport auf dem Camino

Anreise: Etwas Planung braucht vor allem die An- und Abreise, da Ponferrada nicht direkt an einem großen Flughafen liegt. Wir sind ca. 3 Stunden mit dem Bus von Santiago de Compostela nach Ponferrada gefahren. Es gibt auch eine Zugverbindung, die aber etwas teurer ist.

Unterwegs: Auf dem Weg selbst sind wir natürlich gelaufen. Gut zu wissen ist aber, dass entlang der Route mehrere Bahnhöfe liegen (unter anderem in O Barco de Valdeorras, A Rúa, Quiroga und Monforte de Lemos). Wer eine Etappe abkürzen muss oder unterwegs einen Ruhetag einlegen möchte, hat also zumindest in den größeren Orten Möglichkeiten, ein Stück mit dem Zug zu fahren.

Abreise: Am Ziel ist es deutlich einfacher. Santiago de Compostela hat einen eigenen Flughafen mit Verbindungen in viele europäische Städte, dazu Bahn- und Busanbindung. Von hier kommt man unkompliziert wieder nach Hause oder zum nächsten Ziel.

Übernachten auf dem Camino Invierno

Es gibt ausreichend Orte für eine Übernachtung auf dem Camino. Wir hatten eine Mischung aus öffentlichen Herbergen, Mehrbettzimmern und Hotels. Gefühlt gab es auf dem Camino Primitivo mehr öffentliche Herbergen, und in Quiroga hatten wir zunächst etwas Angst, dass wir keine Unterkunft bekommen würden – unsere Ankunft fiel ausgerechnet auf eine Art Volksfest. Am Ende hat es aber problemlos geklappt. Wir haben unsere Unterkünfte einfach über Booking gebucht, am Abend davor oder im Verlauf des Tages. Wir nutzen immer Gronze für eine gute Übersicht der Unterkünfte am Wegesrand.

Versorgung auf dem Invierno mit Wasser und Lebensmitteln

Die Lebensmittelversorgung war recht einfach. Regelmäßig kommt man an Restaurants und Geschäften vorbei, und ich würde die Situation ähnlich wie auf dem Primitivo einschätzen.

Nur auf der ersten Etappe mussten wir uns die Lebensmittel, die wir kochen wollten, vorher mitnehmen: Wir hatten eine sehr kurze Etappe geplant, und in der winzigen Ortschaft am Ende gab es weder Läden noch Restaurants. Dafür hatte die Herberge eine gute Küche, sodass wir uns selbst etwas zubereiten konnten. Danach wurde vieles leichter – ab da musste man eigentlich nie mehr lange ohne Einkaufs- oder Einkehrmöglichkeit auskommen.

Auf dem Francés oder dem Camino Portugués gibt es aber definitiv mehr Möglichkeiten, sich zu versorgen.

Das Wetter in Galicien

Das Wetter in Galicien ist eigentlich recht wechselhaft, und ich konnte unser Glück kaum glauben, als wir den Camino Invierno mit nur einem einzigen Regentag beenden konnten – und das Anfang April. Allgemein war es bei uns sehr warm mit über 20 Grad, und meinen Schirm hatte ich umsonst im Gepäck.

So gut wie bei uns muss man es aber nicht erwarten. Im April liegen die Tageshöchstwerte entlang der Route eher bei rund 16 bis 18 Grad, nachts kann es mit etwa 5 bis 7 Grad noch empfindlich kühl werden. Galicien gilt zudem als eine der regenreichsten Regionen Spaniens, gerade im Frühjahr sind Schauer jederzeit möglich. Heißt für die Packliste: Regenschutz und eine warme Schicht für morgens und abends gehören rein – auch wenn man, mit etwas Glück wie wir, am Ende beides kaum braucht.

Unsere Etappen auf dem Camino Invierno

Offiziell ist der Camino Invierno 263 Kilometer lang. Wir haben ihn in zwölf Etappen gegangen und kamen dabei auf rund 280 Kilometer – je nach Route, Umwegen und Unterkunft wird es bei euch etwas anders aussehen.

Tag 1: Von der Templerburg hinaus aufs Land

Ponferrada → Villavieja · ca. 20 km
Einen schöneren Startpunkt hätten wir kaum haben können: Die Templerburg von Ponferrada liegt direkt am Weg, und genau hier zweigt der Camino Invierno vom Camino Francés ab. Wer den Francés kennt, merkt den Unterschied sofort, weil man schon ab dem ersten Kilometer fast allein unterwegs ist. Über Toral de Merayo ging es aus der Stadt hinaus und ins Tal des Sil. In Villavieja gab es weder einen Laden noch ein Restaurant, dafür hatte die Herberge eine gute Küche. Einkaufen muss man also vorher in Ponferrada.

Tag 2: Castillo de Cornatel und die roten Felsen von Las Médulas

Villavieja → Puente de Domingo Flórez · ca. 23 km
Das war die Etappe, wegen der ich den Invierno überhaupt gehen wollte. Schon kurz nach dem Start taucht das Castillo de Cornatel auf, eine Burgruine auf einem Felssporn, die aussieht, als hätte sie jemand für einen Film dorthin gestellt. Über Borrenes ging es dann nach Las Médulas, der einst größten Goldmine des Römischen Reiches. Übrig geblieben ist eine Landschaft aus tiefroten Felstürmen, die heute zum UNESCO-Welterbe gehört. Der Waldbrand vom August 2025 hat deutliche Spuren hinterlassen, den Zauber hat das für mich aber nicht kaputt gemacht. Wenn man auf dem Invierno an einem Tag Zeit einplant, dann an diesem.

Tag 3: Die Teerhölle nach Galicien

Puente de Domingo Flórez → A Rúa de Valdeorras · ca. 30 km
Der Tag fing eigentlich perfekt an: traumhafte Landschaft, angenehme Wege und genau die Ruhe, wegen der wir den Invierno gewählt hatten. Hinter Pumares haben wir die Grenze nach Galicien überquert, und ab da bleibt der Weg bis Santiago in derselben Region. Ab O Barco war es dann vorbei. Was danach kam, war für mich die Teerhölle: Asphalt, Verkehr und eine Strecke, die stellenweise richtig stark befahren ist. Eine kurze Abkühlung im Wasser hat den Nachmittag wenigstens ein bisschen gerettet. Das ist die einzige Etappe, die ich wirklich fürchterlich fand, und mit 30 Kilometern war sie auch noch eine der längsten. Wer sie sich sparen möchte, findet in O Barco einen Bahnhof.

Tag 4: Es wird mit jedem Schritt schöner

A Rúa de Valdeorras → Quiroga · ca. 30 km
Nach dem Vortag hatte ich das Schlimmste erwartet, noch mal 30 Kilometer und laut Karte wieder viel Straße. Es wurde dann aber mit jedem Schritt schöner, und das blieb auch den ganzen Tag so.

Tag 5: Sechs Kilometer Teer und ein Tempo, bei dem ich kaum mitkam

Quiroga → A Pobra do Brollón · ca. 23 km
Nach einer kurzen Nacht, die Zimmernachbarn hatten sie zum Tag gemacht, ging es erst einmal sechs Kilometer über Asphalt. Immerhin auf stillen Straßen und durch Dörfer, die noch im Tiefschlaf lagen. Danach wechselte der Weg auf Schotterpisten und der Tag wurde deutlich angenehmer. Kathi hat uns an dem Tag richtig gezogen, ich bin nur hinterhergekommen und trotzdem alle paar Meter stehen geblieben, weil es überall etwas zu fotografieren gab. Nebenbei haben wir gelernt, wie groß galicische Insekten werden können. Ein kurzes Stück gegen Ende war das schlechteste Wegstück des ganzen Camino, aber zum Glück schnell vorbei.

Tag 6: Der kürzeste Tag – und mitten im Mittelaltermarkt

A Pobra do Brollón → Monforte de Lemos · ca. 13 km
13 Kilometer, das fühlte sich an wie ein halber Ruhetag. Der Weg folgt streckenweise der Bahnlinie, auf deren Masten die Störche ihre Nester gebaut haben. In Monforte de Lemos steht eine richtig beeindruckende Burg über der Stadt, und wir sind dort mitten in einem Mittelaltermarkt gelandet, auf dem gefühlt die halbe Templerszene in Kostüm unterwegs war. Nach Tagen auf einem fast leeren Pilgerweg war das ein ziemlicher Kontrast. Monforte de Lemos ist übrigens ein guter Ort für einen Ruhetag: genug zu sehen, gute Versorgung und ein Bahnhof.

Tag 7: Der längste Tag – hinauf in die Ribeira Sacra

Monforte de Lemos → Chantada · ca. 30,4 km
Das war der längste und anstrengendste Tag auf unserem Camino. Wir sind noch im Dunkeln los, am nächtlichen Mittelaltermarkt vorbei, und haben später die Burg im Sonnenaufgang liegen sehen. Allein dafür hat sich das frühe Aufstehen gelohnt. Der erste Teil war harmlos, spanische Landstraßen, kleine Ortschaften, flach. Ab dem Weinanbaugebiet bei Belesar ging es dann richtig bergauf. Die Ribeira Sacra mit ihren Terrassen über dem Sil und dem Miño ist landschaftlich der Höhepunkt des ganzen Weges, den man aber mit ordentlich Höhenmetern bezahlt. Wer sich 30 Kilometer plus Anstieg nicht antun will, teilt die Etappe besser auf.

Tag 8: Auf den höchsten Punkt des Invierno

Chantada → Rodeiro · ca. 25,4 km
Hier sind Kathi und ich zeitweise getrennte Wege gegangen. Sie hat die Alternativroute genommen, ich den Hauptweg über den höchsten Punkt des gesamten Camino Invierno. Oben liegt die Ermita de Nosa Señora do Faro, eine kleine Wallfahrtskapelle mit weitem Blick über Galicien. Der Aufstieg zieht sich, ist aber gleichmäßig. Schroffe Pässe wie am Francés gibt es auf dem Invierno nirgends.

Tag 9: Der einzige Regentag – und dann auch noch Stau

Rodeiro → Lalín · ca. 25,4 km
Nach acht trockenen Tagen hat es uns dann doch erwischt, und es blieb der einzige Regentag auf dem ganzen Camino. Anfang April in Galicien darf man damit eigentlich nicht rechnen. Der Weg führt durch grünes, hügeliges Hinterland, das im Nieselregen sogar besonders gut aussieht.

Tag 10: Kurz, grün und ein Fluss zum Durchwaten

Lalín → Silleda · ca. 15 km
Mit 15 Kilometern wieder ein kurzer Tag, der erst durch Lalín und eine Parkanlage ging und in der zweiten Hälfte richtig schön wurde. In Silleda hatten wir eine hübsche Ferienwohnung und haben abends zusammen gekocht.

Tag 11: Der vorletzte Tag

Silleda → Eiravedra · ca. 24 km
24 ruhige Kilometer, auf denen nichts Besonderes passiert ist. In Eiravedra hatten wir dann die letzte Nacht vor Santiago.

Tag 12: Im Dunkeln auf die letzten 20 Kilometer

Eiravedra → Santiago de Compostela · ca. 20 km
Der letzte Tag fing vor dem Morgengrauen an, weil wir ankommen wollten, solange die Stadt noch halbwegs ruhig ist. Die Einfahrt nach Santiago ist auf den anderen Wegen ja berüchtigt, kilometerlange Vororte, Industrie und Verkehr. Über den Invierno beziehungsweise den Sanabrés war das deutlich ruhiger und schöner als alles, was wir vom Primitivo kannten. 263 offizielle Kilometer, bei uns rund 280, zwölf Tage und ein einziger Regentag.

Wie sich diese zwölf Tage angefühlt haben, sieht man am besten im Film ganz oben. Dort ist der komplette Camino Invierno von Ponferrada bis Santiago am Stück zu sehen.