Der Harzer Baudenstieg ist mir bei meinen Touren durch den Harz schon oft begegnet. Immer wieder kreuzen großartige Wege seinen Pfad, die mit seinem markanten Zeichen markiert sind. Wenn man zum Beispiel auf dem Harzer Försterstieg unterwegs ist, teilt man sich immer mal wieder ein paar Meter mit ihm; auf dem Harzer Hexenstieg kreuzt man ihn und sogar auf dem Karstwanderweg am Südharzrand begegnet man ihm ständig. Zeit also, diesem Weg einen eigenen Beitrag zu widmen!
Der Weg erstreckt sich über knapp 100 Kilometer und überwindet dabei etwas mehr als 3.000 Höhenmeter. Ihr könnt die Tour entweder in Bad Grund oder in Walkenried starten.
Das Konzept des Weges ist so simpel wie genial: Er verbindet die schönsten Waldgaststätten und Berggasthöfe (die sogenannten „Bauden“) der Harzer Sonnenseite miteinander. Wer nicht gleich die gesamte Strecke wandern möchte, findet zudem eine Sammlung verschiedener Rundwanderungen, die einzelne Abschnitte des Baudenstiegs erlebbar machen.
Transport und Anreise
Von den beiden Endpunkten ist Walkenried logistisch besser angebunden, da es über einen Bahnhof direkt im Ort verfügt. Bad Grund hingegen erreicht man nur mit dem Bus (von Clausthal-Zellerfeld oder Osterode aus).
Busverkehr: Da der Weg durch diverse Ortschaften führt, gibt es zwar Anbindungen an das regionale Busnetz, allerdings schwankt die Qualität und Taktung je nach Wochentag und Uhrzeit stark.
Bahn-Alternativen: Bahnhöfe sind von den Etappen zwischendrin meist nur über größere Umwege erreichbar (z. B. in Barbis, Herzberg oder Osterode).
Mein Tipp: In ca. 5 km Entfernung von Bad Grund liegt der Bahnhof Gittelde. Ich bin von dort nach Walkenried gefahren, musste dann aber vor der eigentlichen Rückreise noch ein paar „Bonus-Kilometer“ zu Fuß einlegen.
Übernachten auf dem Baudenstieg
Schutzhütte am Baudenstieg
Was die Schlafplätze angeht, ist der Harzer Baudenstieg sehr flexibel. Da ihr unterwegs immer wieder durch Ortschaften kommt, habt ihr verschiedene Möglichkeiten, eure Nächte zu planen:
Von Unterkunft zu Unterkunft: Wer es nach einem langen Wandertag gerne komfortabel hat, kann problemlos von Hotel zu Hotel oder Pension zu Pension wandern. Das Angebot in den angrenzenden Orten ist groß genug, um feste Betten für jede Etappe zu buchen.
Offizielle Campingplätze: Seid ihr lieber mit dem Zelt unterwegs? Auch das ist machbar. In Zorge, am Wiesenbeker Teich und in Lehrbach gibt es offizielle Campingplätze. Ihr müsst dafür zwar jeweils einen kleinen Umweg vom Hauptweg in Kauf nehmen, habt dafür aber eine legale Übernachtungsmöglichkeit mit sanitären Anlagen.
Wildcampen und Schutzhütten: Hier gilt eine ganz klare Regel: Wildcampen ist im Harz streng verboten. Besonders in dem kurzen Abschnitt hinter Sieber (Nationalpark) rate ich dringend davon ab, auf eigene Faust das Zelt im Wald aufzuschlagen. Solltet ihr jedoch in eine Notsituation geraten und es nicht mehr rechtzeitig zur Unterkunft oder zum Auto schaffen, gibt es am Wegesrand glücklicherweise viele Schutzhütten. Dort könnt ihr im absoluten Notfall ein Biwak aufschlagen, um die Nacht sicher zu überstehen.
Versorgung: Wasser und Verpflegung
Der Bismarckturm eine der Zahlreichen Bauden am Wegesrand
Schon der Name „Baudenstieg“ lässt vermuten, dass die Versorgungslage hier entspannt ist. Dennoch ein wichtiger Rat: Verlasst euch nicht blind auf die Bauden, sondern informiert euch vorab über die aktuellen Öffnungszeiten.
Im Gegensatz zum Harzer Försterstieg führt dieser Weg oft direkt durch die Ortschaften hindurch statt nur daran vorbei. Unterwegs findet ihr in den Orten immer wieder Restaurants – besonders in Bad Sachsa und Bad Lauterberg.
Einkaufen: In Zorge gibt es ein kleines Geschäft, Wieda bietet einen Bäcker. In Bad Sachsa und Bad Lauterberg könnt ihr bei Bedarf richtig groß einkaufen gehen. In Sieber gibt es einen Kiosk und sogar an der Sösetalsperre hatte bei meiner Wanderung eine Pommesbude geöffnet.
Thema Wasser: Ich empfand die Wasserversorgung als recht einfach, nutze aber grundsätzlich immer einen Wasserfilter, um alles zu filtern, was ich unterwegs finde. Im Hochsommer kann es natürlich trockener sein als im Frühjahr. Meistens hatte ich 1,5 Liter Wasser dabei und habe nachgefiltert, sobald es knapp wurde.
Achtung: Ab Lehrbach ist es ratsam, etwas mehr Wasser mitzunehmen. Bis auf den Prinzenteich ist die Strecke bis zum Iberger Albertturm recht trocken – und dort oben gibt es nur Wasser, wenn die Baude auch geöffnet hat.
Beste Reisezeit
Ich empfehle definitiv den Frühling oder Herbst. Zwar bietet der Harzer Baudenstieg verhältnismäßig viel Schatten, aber bei meiner Wanderung Ende April kletterten die Temperaturen teilweise schon über 25 Grad. Da hätte ich zwischendurch lieber eine Badehose statt Wanderschuhe getragen!
Die 6 offiziellen Etappen
Der Harzer Baudenstieg ist offiziell in sechs Abschnitte unterteilt:
Das Kloster in Walkenried
Bad Grund nach Lehrbach
Lehrbach nach Sieber
Sieber nach Bad Lauterberg
Bad Lauterberg nach Bad Sachsa
Bad Sachsa nach Wieda
Wieda nach Walkenried
Diese Einteilung ist logistisch sehr sinnvoll, wenn man von Hotel zu Hotel wandern möchte. Wer sportlich ambitioniert ist und keine lange Anreise hat, kann die Strecke auch an einem (verlängerten) Wochenende bewältigen. Ich war 2,5 Tage unterwegs, was mich allerdings auch ordentlich gefordert hat.
Der Baudenstieg hat so viel zu bieten, dass es eigentlich schöner ist, sich mehr Zeit zu nehmen. Abgesehen von den gemütlichen Bauden lohnen sich Abstecher zu den Einhornhöhlen, zum HöhlenErlebnisZentrum in Bad Grund, in den Weltwald oder zum Kloster Walkenried. Und wer mag, kann die Tour sogar mit einem Whiskey-Tasting bei der Hercynian Distilling Co. abrunden!
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