Du planst, den GR 132 auf La Gomera zu wandern? Dann schnall dich an. Ehrlich gesagt muss man sagen, dass jede Etappe auf dem ca. 150 km langen Rundweg ziemlich knackig ist. Mit stolzen 7.900 Höhenmetern im Aufstieg ist das kein gemütlicher Inselspaziergang – das Ganze spielt eher in der gleichen Liga wie die berühmte Tour du Mont Blanc (TMB), die auf 170 km ca. 10.000 Höhenmeter fordert.Der Unterschied: Auf La Gomera gibt es kaum flache Stücke. Die „Sägezahn-Topographie“ der Barrancos (Schluchten) zwingt dich ständig von Meereshöhe auf 500 bis 800 Meter hoch und sofort wieder hinunter.
Der GR132 verläuft einmal um die komplette Insel. Außerdem kann man ab Epina zwischen 2 Varianten wählen der Küstenvariante und der einer etwas kürzeren Variante die Direkt nach Vallehermoso führt. Schön ist das es sich hierbei um einen Rundweg handelt und quasi direkt von Hafen oder Flughafen losgehen kann.
Wir empfanden die Wanderung als Anstrengend. Wer etwas weniger Zeit auf der Insel hat sollte einen Blick auf den GR131 werfen.
Daten zum GR131 auf La Gomera
Länge: ca. 145 Kilometer
Höhenmeter: ca. 7.900 m
Route:RUndweg von San Sebastián
Transport auf La Gomera
Am Busbahnhof in San Sebastian
Auf La Gomera kommt ihr problemlos und zu überschaubaren Preisen mit dem Bus von A nach B. Die Taktung kann zwar nicht mit den Verbindungen auf Teneriffa mithalten, und es gibt lediglich feste Abfahrtszeiten für die jeweiligen Endhaltestellen, da die kurvigen, schmalen Straßen die Fahrtdauer etwas unberechenbar machen.
Das Busunternehmen heißt GuaguaGomera. Auf der offiziellen Website findet ihr alle Verbindungen und Haltestellen. Die Seite ist zwar nur auf Spanisch verfügbar, aber Google Translate hilft hier sicher gerne weiter.
Wildcampen ist auf La Gomera offiziell nicht erlaubt. In der Praxis hatte ich jedoch den Eindruck, dass viele es machen und sich auch die Einheimischen nicht daran stören. An einer Stelle unserer Wanderung über den GR132 sind wir in eine Region geraten, in der gerade gejagt wurde, und wir mussten mit dem Weiterwandern warten, bis die Jagdzeit vorbei war. Die Jäger hatten uns direkt nach dem Aufstehen entdeckt, als sogar noch das Zelt meiner Eltern stand. Das war überhaupt kein Problem; wir mussten lediglich anderthalb Stunden warten, bevor wir unseren Weg fortsetzen konnten.
Ob das immer so glimpflich ausgeht, weiß ich nicht, aber ich hatte nicht das Gefühl, dass hier streng durchgegriffen wird. Ich habe es jedoch vermieden, im Nationalpark zu übernachten. Von Vallehermoso aus gibt es vielleicht ein bis zwei brauchbare Plätze für ein Zelt, bevor man das Parkgebiet betritt. Ich habe mich stattdessen für eine Übernachtung in Las Hayas entschieden; über Booking findet man dort gute Zimmer. Eine Alternative wäre das Hotel Sonia in Chipude – dort muss man allerdings ein paar Kilometer mehr einplanen und vorher anrufen, ob etwas frei ist.
Auf der Karte habe ich ein paar Orte eingetragen, an denen man eventuell ein Zelt aufschlagen könnte, wenn man das Risiko eingehen möchte.
Versorgung auf dem GR132 mit Wasser und Lebensmittel
Supermarkt in El Chorro
Wer den GR132 wandert, muss eventuell gar keinen Wasserfilter einpacken. Ich habe nur selten Wasser in freier Wildbahn gesehen. Auf dem Weg selbst gibt es immer wieder kleine Bars und Supermärkte in denen man sich mit Wasser versorgen kann. das einzige Wasser was wir am Wegesrand getrunken haben war das der Chorros de Epina.
Das Wetter auf La Gomera
Das Wetter auf La Gomera ist ein echtes Phänomen und wird stark vom Nordostpassat geprägt. Während es im Norden oft feucht und neblig ist (was den magischen Lorbeerwald erst möglich macht), brennt im Süden und auf den exponierten Graten des GR132 oft unerbittlich die Sonne.
Die beste Jahreszeit für die Wanderung ist laut Internet das Frühjahr (März bis Mai) oder der Herbst (Oktober bis November). In diesen Monaten sind die Temperaturen mit 18 °C bis 24 °C ideal zum Wandern. Im Winter kann es in den höheren Lagen (über 1.000 m) nachts empfindlich kalt werden und auch mal kräftig regnen, während im Hochsommer die Hitze – oft verstärkt durch den heißen Saharawind Calima – das Wandern auf den kargen Höhenrücken zur Qual machen kann.
Bei meiner Wanderung Anfang Februar schwankten die Temperaturen auf La Gomera zwischen 10 °C und 26 °C. Man sollte also definitiv auf alles vorbereitet sein und das Zwiebelprinzip bei der Kleidung nutzen.
Unsere Etappen auf dem GR132 über La Gomera
Tag 1: Der Start in San Sebastián
Von San Sebastián ging es steil bergauf und direkt wieder bergab zur wunderschönen Playa de la Guancha. Nach nur 7 km im knalligen Sonnenschein wurde uns klar, was uns erwartet. Die Hitze und die exponierten Wege ohne Schatten sind die größten Herausforderungen im Süden.Wir landeten schließlich bei der Finca el Cabrito, einer Hotelanlage, die nur per Fähre erreichbar ist. Ein wichtiger Tipp für Wanderer: Auch wenn ihr nicht dort schlaft, könnt ihr an der Rezeption Wasser kaufen – lebenswichtig auf diesem trockenen Abschnitt! Der anschließende Aufstieg von 13 m auf 500 m ist eine echte Plackerei. Oben passiert man die Ruinen von Morales, die von der schwindenden Landwirtschaft der Insel zeugen.Kultur-Fact: Wusstest du, dass die Gomeros eine eigene Pfeifsprache erfunden haben? El Silbo diente dazu, sich über die tiefen Schluchten hinweg bis zu 5 km weit zu verständigen.
Tag 2 & 3: Rückschläge und Mandelblüten
An Tag 2 machten uns Magen-Darm-Probleme und der krasse Temperaturunterschied zu Deutschland einen Strich durch die Rechnung. Wir mussten kurzzeitig nach San Sebastián zurück. Nutzt im Notfall die Buslinie 3, die Alajeró mit der Hauptstadt verbindet.An Tag 3 ging es ab Alajeró wieder ins Grüne. Im Februar blühen hier die Mandelbäume – ein Traum! Der Weg führt vorbei an einer ehemaligen Konservenfabrik (ein toller Lost Place) hinauf nach La Dama, wo ihr in der Bar eure Wasservorräte auffüllen könnt.
Tag 4 & 5: Valle Gran Rey und die magischen Quellen
Der Abstieg ins Valle Gran Rey ist vielleicht der zweitschönste Teil des Weges. Das Tal ist berühmt für seine Hippie-Kultur und die terrassierten Hänge. Deckt euch hier unbedingt im Spar-Markt ein, bevor ihr zur Hochebene aufsteigt. Achtung: Die Nächte im Zelt können hier extrem feucht sein!Tag 5 bot das visuelle Highlight: Die Passage bei den Riscos de La Mérica. Der Weg ist teilweise sehr ausgesetzt und nichts für Leute mit starker Höhenangst. Belohnt werdet ihr schließlich bei den Chorros de Epina. Diese sieben Quellen gelten als magisch. Die Legende besagt: Männer trinken aus den ungeraden, Frauen aus den geraden Rohren (von links gezählt), um Glück in der Liebe zu finden. Das Wasser ist übrigens pH-neutral und von hervorragender Qualität.
Tag 6 & 7: Nebelwälder und Jagdhunde
Über Vallehermoso („das schöne Tal“) führt der Weg in den feuchteren Norden. Hier ändert sich die Landschaft drastisch: von trockenem Kaktusland zu mystischen Lorbeerwäldern. Ein Besuch im Besucherzentrum Juego de Bolas lohnt sich, um mehr über den Nationalpark Garajonay zu erfahren.Wichtig: In Hermigua müsst ihr euch für die nächsten 30 km komplett mit Wasser eindecken, da es bis zum Ziel kaum noch Quellen gibt! In den Bergen oberhalb von Hermigua werden oft Jagdhunde ausgebildet – lasst euch vom Gebell nicht verunsichern, die Tiere sind meist eingezäunt.
Tag 8: Das große Finale
Der letzte Tag zurück nach San Sebastián verläuft oft auf breiteren Forstwegen, was den Beinen nach der Woche guttut. Kurz vor dem Ziel wird es an einer massiven Felswand noch einmal kurz ausgesetzt, bevor man endlich den Hafen von San Sebastián sieht.
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