Der Wicklow Way in 6 Tagen – 125 km durch Irlands wilden Osten

Der Wicklow Way ist Irlands ältester markierter Fernwanderweg und führt auf rund 130 Kilometern von Clonegal im County Carlow bis in den Marlay Park am Südrand von Dublin. Dabei sammelt er über 3.000 Höhenmeter, durchquert Wälder, Moore und das berühmte Klostertal Glendalough – und beschert einem mit etwas Glück genau das, womit auf der grünen Insel eigentlich niemand rechnet: sechs Tage Sonnenschein am Stück.

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Wicklow Way

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Allgemeine Informationen zum GR132

Der Wicklow Way wurde 1980 eröffnet und ist damit der erste offiziell ausgeschilderte Fernwanderweg Irlands. Er ist Teil des Europäischen Fernwanderwegs E8 und trägt den irischen Namen Slí Cualann Nua. Markiert ist er mit dem landesweiten Standardsymbol: einem gelben Wandermännchen mit Richtungspfeil auf Holzpfosten.

Der Weg beginnt beziehungsweise endet mitten in einem Dubliner Stadtpark und taucht von dort innerhalb weniger Kilometer in die Wicklow Mountains ein. Nach Süden hin laufen die Berge langsam aus und machen sanftem Hügelland, Hecken und kleinen Feldwegen Platz. Genau diese Mischung macht den Reiz aus: Man wandert an einem Tag über weite Moorhochflächen mit Blick bis zur Irischen See und am nächsten durch Farmland, in dem einem eher Schafe als Wanderer begegnen.

Technisch ist der Weg unproblematisch – alpine Passagen gibt es keine. Was fordert, ist das ständige Auf und Ab, die teils sehr langen Etappen ohne jede Einkehrmöglichkeit und das Wetter auf den offenen, windanfälligen Höhenrücken.

Daten zum GR131 auf La Gomera

  • Länge: ca. 125
  • Höhenmeter: ca. 3.300 m
  • Höchster Punkt: White Hill, 630 m

Transport auf dem Wicklow Way

Nach Clonegal kommt man mit öffentlichen Verkehrsmitteln nur fast. Die Expressway-Busse von Bus Éireann fahren vom zentralen Busbahnhof Busáras in Dublin Richtung Waterford und halten dabei in Kildavin – von dort sind es noch rund drei Kilometer bis zum eigentlichen Startpunkt in Clonegal. Wer noch etwas einkaufen möchte, kann alternativ bis ins größere Bunclody durchfahren, hat dann aber ein paar Kilometer mehr vor sich.

Wir sind einfach von der Bushaltestelle aus losgelaufen. Das ist zwar ein zusätzlicher Roadwalk, macht aber Sinn, weil man ohnehin erst einmal ins Laufen kommen muss.

Wer es bequemer mag: Es gibt private Shuttle-Anbieter, die zwischen Dublin (inklusive Flughafen), den Unterkünften entlang des Weges und Clonegal pendeln. Die muss man allerdings vorab buchen, es handelt sich nicht um einen Linienverkehr.

Am nördlichen Ende ist die Sache deutlich einfacher: Der Marlay Park liegt im Dubliner Stadtgebiet, und von dort fahren mehrere Stadtbusse direkt ins Zentrum.

Übernachten auf dem Wicklow Way

Wildcampen ist in Irland offiziell nicht erlaubt, solange man keine Erlaubnis des Landbesitzers hat. In der Praxis wird eine einzelne Nacht in den Bergen aber meist toleriert, solange man sich an die Leave-no-Trace-Regeln hält: spät aufbauen, früh abbauen, kein offenes Feuer, keine Spuren hinterlassen. Im Bereich des Wicklow Mountains National Park ist es soweit ich weiß erlaubt abgesehen vom Tal von Glendalough. Dort ist Zelten definitiv verboten und wird von den Rangern auch kontrolliert.

Die entspannteste Variante sind die drei offenen Schutzhütten am Weg: die Mucklagh Hut, die Brusher Gap Hut und die Mullacor Hut. Es handelt sich um Adirondack-Shelter, also nach vorne offene Holzhütten, die von der Freiwilligengruppe Mountain Meitheal mit Genehmigung der staatlichen Forstgesellschaft Coillte gebaut wurden. Hier darf man offiziell übernachten und auch sein Zelt aufstellen – reservieren kann man allerdings nicht, es gilt das Prinzip „wer zuerst kommt”.

Daneben gibt es entlang der Route Campingplätze, Hostels und B&Bs. In Glendalough liegt das International Youth Hostel direkt am Weg, in den größeren Orten findet man über die üblichen Portale Zimmer. Über Pfingsten und in der Hauptsaison sollte man vorbuchen.

Versorgung auf dem Wicklow Way mit Wasser und Lebensmittel

Einkaufen kann man in Clonegal beziehungsweise Bunclody, in Shillelagh, Tinahely, Roundwood, Glendalough und Enniskerry – was alles abseits der Route liegt. Wir haben so gepackt das wir für die Komplette Zeit das Essen dabei haben.

Die Wasserversorgung war mit Filter kein Problem. Zur Not fragt man einfach: Die Anwohner am Weg sind extrem hilfsbereit, was wir mehr als einmal ausprobiert haben. An den Schutzhütten gibt es Wasserspeicher aus denen ich ohne Aktivkohlefilter aber nicht trinken würde.

Das Wetter in Irland

Irland und Regen – das Klischee stimmt, und die meisten Berichte über den Wicklow Way handeln von Matsch, Nebel und aufgeweichten Moorabschnitten. Gerade auf den offenen Höhenzügen kann der Wind das Wandern zusätzlich anstrengend machen, und bei Nässe wird der Untergrund stellenweise zur Rutschpartie.

Bei uns war es exakt andersherum: sechs Tage Sonne, kein einziger Regentropfen. Das klingt traumhaft, hatte aber seinen Preis. Auf den vielen Asphalt- und Forstwegabschnitten staut sich die Hitze, Schatten gibt es auf den Höhenzügen praktisch keinen, und die Wasserplanung wird plötzlich zum wichtigsten Thema des Tages.

Für die Planung heißt das: Regenschutz gehört immer ins Gepäck, aber Sonnenschutz eben auch. Und ein Regenschirm ist auf diesem Weg tatsächlich ein doppelt sinnvolles Ausrüstungsteil.

Unsere Etappen auf dem Wicklow Way

Tag 1: Von Kildavin über Clonegal in die irische Landschaf

Für uns begann der Wicklow Way nicht am offiziellen Startpunkt, sondern an der Bushaltestelle in Kildavin. Von dort mussten wir erst einmal nach Clonegal laufen, sodass am ersten Tag knapp 20 Kilometer zusammenkamen – von denen aber nur etwa 15 auf dem eigentlichen Trail lagen.

Der Einstieg ist unspektakulär und gerade deshalb angenehm: sanftes Hügelland, Farmen, Hecken, viel Grün. Was uns in den nächsten Tagen tatsächlich erwarten sollte, war uns an diesem Punkt noch überhaupt nicht klar. Wir waren einfach froh, endlich zu laufen..

Tag 2: Der Dying Cow Pub und die Gastfreundschaft der Iren

Der Tag startete gut, und schon nach kurzer Zeit standen wir vor dem Dying Cow Pub in Stranakelly, zwischen Shillelagh und Tinahely. Der Laden ist eine echte Institution: ein winziger Raum an der Seite eines Farmhauses, der seit über 300 Jahren in Betrieb sein soll und in dem sich seit Generationen Wanderer, Nachbarn und Musiker treffen.

Danach wurde es allerdings immer wärmer, und auf den rund 24 Kilometern des Tages kamen wir ganz gut ins Schwitzen. Trekkingstöcke wurden irgendwo stehen gelassen, Anwohner nach Wasser gefragt. Und genau da fing das an, was für uns das eigentliche Thema dieser Wanderung wurde: Nach zwei Tagen waren wir bereits völlig hin und weg von der Gastfreundschaft der Iren. Es reicht, kurz zu fragen – der Rest ergibt sich.

Tag 3: Wenn der Regenschirm zum Sonnenschirm wird

An Tag 3 wurde aus dem Regenschirm endgültig ein Sonnenschirm. Auf den rund 20 Kilometern freuten wir uns jedes Mal, wenn der Weg von der geteerten Straße in den schattigen Wald abzweigte – und über wirklich jede Abkühlung am Wegesrand.

Der letzte Berg vor unserem Schlafplatz gab uns dann so ziemlich den Rest. Belohnt wurden wir dafür mit einer der offenen Schutzhütten am Weg, an der wir zum ersten Mal völlig legal übernachten durften. Nach zwei Nächten mit dem üblichen Halbwissen darüber, wo man in Irland eigentlich stehen darf, war das ein überraschend gutes Gefühl.

Tag 4: Holzplanken, geschmolzener Teer und Glendalough

Tag 4 startete direkt mit einem Aufstieg in eine ganz schön abgeholzte Ecke – Forstwirtschaft gehört auf dem Wicklow Way leider dazu. Zum Glück ging es nach kurzer Zeit auf einen ziemlich coolen Bohlenweg über die feuchten Abschnitte, einer der Streckenteile, die man von Fotos des Weges kennt.

Ansonsten hieß der Tag: viele Insekten, viel Sonne, wenig Schatten. So wenig Schatten, dass Pal entschied, ab dem nächsten Pub mit dem Taxi zu unserem Etappenziel weiterzufahren, dem International Youth Hostel in Glendalough, wo wir ein Zimmer gebucht hatten. Für Freya und mich ging es weiter über den teilweise geschmolzenen und klebrig gewordenen Teer, dazu auf einer Alternativroute, weil der Originalweg wegen Forstarbeiten gesperrt war.

Dafür setzten wir an diesem Tag zum ersten Mal einen Fuß in den Wicklow Mountains National Park, kamen an der touristischsten Ecke des gesamten Weges vorbei – Glendalough mit seinem Rundturm und den beiden Seen – und konnten am Abend duschen. Was für ein wundervoller Tag.

Tag 5: Die große Slushi-Enttäuschung

Heute erlitten wir eine herbe Enttäuschung, denn an unserem fünften Tag machten wir einen Umweg zu einem Campingplatz, der mit einer Slushi-Maschine geworben hatte. Vor Ort war niemand anzutreffen, und als wir dann telefonisch nachfragten, stellte sich heraus: Die Maschine war defekt. Wir mussten also ohne Slushi weiterziehen. Eine absolute Enttäuschung.

Keine Enttäuschung waren dagegen die Landschaft und unser Schlafplatz. Die Etappe führt über weite, offene Moorhochflächen mit Blick über halb Wicklow, und wir standen am Ende mit dem Zelt am höchsten Punkt der gesamten Strecke. Nach den Asphaltkilometern der Vortage war das die perfekte Wiedergutmachung.

Tag 6: Powerscourt, Dublin Mountains und das Ziel im Marlay Park

Der letzte und zugleich längste Tag führte uns vorbei am Powerscourt Wasserfall, dem höchsten Wasserfall Irlands, weiter über die Dublin Mountains und schließlich hinunter in den wunderschönen Marley Park.

Der Übergang ist speziell: Man wandert noch über offene Hügel mit Blick auf die Berge und steht kurze Zeit später mitten in einem Dubliner Stadtpark zwischen Hundebesitzern und Joggern. Wanderweg zu Ende, Stadt an.

Irgendwie hat mir Irland gefallen – aber ich denke, beim nächsten Mal bin ich komplett geschockt, wenn es dort tatsächlich regnet. Für uns gab es in der gesamten Zeit keinen einzigen Regentropfen, und ich glaube, das ist schon sehr unüblich.

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