Der GR131 auf La Gomera hat es in sich: Er ist zwar gerade einmal 45 Kilometer lang, bringt es dabei aber auf stolze 2.500 Höhenmeter. Aufgeteilt in drei offizielle Etappen führt er von der Playa de Vallehermoso bis nach San Sebastián und durchquert dabei das Herzstück der Insel: den Nationalpark Garajonay, der mit seinen mystischen Lorbeerwäldern ein absolutes Urwald-Feeling vermittelt.

Allgemeine Informationen zum GR131
Der GR131 verläuft nicht nur auf La Gomera, sondern erstreckt sich über alle sieben Hauptinseln der Kanaren. Als Teil des europäischen Fernwanderwegs E7 verbindet er die vielfältigen Landschaften des Archipels von Lanzarote im Osten bis hin nach El Hierro im Westen.
Jede Insel hat dabei ihren ganz eigenen Charakter: Während man auf Lanzarote und Fuerteventura durch weite Vulkanwüsten und Dünen wandert, führt der Weg auf den westlichen Inseln wie La Palma, Teneriffa und eben La Gomera durch dichte Kiefern- und Lorbeerwälder sowie über alpine Hochgebirgsrücken. Wer den gesamten GR131 wandert, erlebt die komplette geologische und klimatische Vielfalt der Kanaren – verbunden durch regelmäßige Fährüberfahrten zwischen den Etappen.
Daten zum gesamten GR131
- Gesamtlänge: Ca. 560 km (über alle Inseln verteilt).
- Markierung: Die typische rot-weiße Signalisierung der europäischen Fernwanderwege.
- Höchster Punkt: Auf Teneriffa führt der Weg in die Nähe des Teide-Massivs auf über 2.000 m Höhe.
Daten zum GR131 auf La Gomera
- Länge: ca. 45 Kilometer
- Höhenmeter: ca. 2.500 m
- Etappen: 3 (offizielle Aufteilung)
- Route: Playa de Vallehermoso ➔ San Sebastián
In diesem Artikel konzentriere ich mich jedoch ausschließlich auf meine Erfahrungen auf dem Teilstück auf La Gomera, das quer über das Herz der Insel führt.
Transport auf La Gomera

Auf La Gomera kommt ihr problemlos und zu überschaubaren Preisen mit dem Bus von A nach B. Die Taktung kann zwar nicht mit den Verbindungen auf Teneriffa mithalten, und es gibt lediglich feste Abfahrtszeiten für die jeweiligen Endhaltestellen, da die kurvigen, schmalen Straßen die Fahrtdauer etwas unberechenbar machen.
Das Busunternehmen heißt GuaguaGomera. Auf der offiziellen Website findet ihr alle Verbindungen und Haltestellen. Die Seite ist zwar nur auf Spanisch verfügbar, aber Google Translate hilft hier sicher gerne weiter.
Die für den GR131 interessanteste Verbindung ist die zwischen San Sebastián und Vallehermoso (Linie 1). Die Fahrt kostete im Februar 2026 4,50 € und dauerte ca. 1,5 Stunden.
Übernachten auf dem GR131

Wildcampen ist auf La Gomera offiziell nicht erlaubt. In der Praxis hatte ich jedoch den Eindruck, dass viele es machen und sich auch die Einheimischen nicht daran stören. An einer Stelle unserer Wanderung über den GR132 sind wir in eine Region geraten, in der gerade gejagt wurde, und wir mussten mit dem Weiterwandern warten, bis die Jagdzeit vorbei war. Die Jäger hatten uns direkt nach dem Aufstehen entdeckt, als sogar noch das Zelt meiner Eltern stand. Das war überhaupt kein Problem; wir mussten lediglich anderthalb Stunden warten, bevor wir unseren Weg fortsetzen konnten.
Ob das immer so glimpflich ausgeht, weiß ich nicht, aber ich hatte nicht das Gefühl, dass hier streng durchgegriffen wird. Ich habe es jedoch vermieden, im Nationalpark zu übernachten. Von Vallehermoso aus gibt es vielleicht ein bis zwei brauchbare Plätze für ein Zelt, bevor man das Parkgebiet betritt. Ich habe mich stattdessen für eine Übernachtung in Las Hayas entschieden; über Booking findet man dort gute Zimmer. Eine Alternative wäre das Hotel Sonia in Chipude – dort muss man allerdings ein paar Kilometer mehr einplanen und vorher anrufen, ob etwas frei ist.
Auf der Karte habe ich ein paar Orte eingetragen, an denen man eventuell ein Zelt aufschlagen könnte, wenn man das Risiko eingehen möchte.
Versorgung auf dem GR131 mit Wasser und Lebensmittel

Wer den GR131 wandert, muss eventuell gar keinen Wasserfilter einpacken. Ich habe insgesamt, glaube ich, nur ein einziges Mal Wasser in freier Wildbahn gesehen. In den Startorten San Sebastián und Vallehermoso kann man sich problemlos mit allem eindecken, was man benötigt.
Auf dem Weg selbst gibt es in Chipude einen kleinen Supermarkt (in der Karte verzeichnet), der direkt neben dem Hotel Sonia liegt. Hier findet ihr Wasser oder ein Eis, falls euch die Sonne zu sehr auf den Kopf scheint. Ansonsten sieht es eher mau aus: In Las Hayas kann man zwar in einem der zwei Restaurants etwas essen und Wasserflaschen kaufen, aber das war es dann auch schon. Die anderen Ortschaften bieten meines Wissens nach keine Möglichkeit zur Nachversorgung.
Am Wegesrand gibt es noch einen Rastplatz mit Grillstellen (Laguna Grande oder Pajarito – je nachdem, welchen du meinst). Dort findet man auch eine Toilette und Wasser. Dieses ist jedoch ausdrücklich nicht als Trinkwasser markiert. Ich habe in Chipude genug Vorräte gekauft, um bis San Sebastián zu kommen. Bei den Temperaturen kommt da gewichtsmäßig zwar einiges zusammen, aber machbar ist es auf alle Fälle.
Das Wetter auf La Gomera
Das Wetter auf La Gomera ist ein echtes Phänomen und wird stark vom Nordostpassat geprägt. Während es im Norden oft feucht und neblig ist (was den magischen Lorbeerwald erst möglich macht), brennt im Süden und auf den exponierten Graten des GR131 oft unerbittlich die Sonne.
Die beste Jahreszeit für die Wanderung ist laut Internet das Frühjahr (März bis Mai) oder der Herbst (Oktober bis November). In diesen Monaten sind die Temperaturen mit 18 °C bis 24 °C ideal zum Wandern. Im Winter kann es in den höheren Lagen (über 1.000 m) nachts empfindlich kalt werden und auch mal kräftig regnen, während im Hochsommer die Hitze – oft verstärkt durch den heißen Saharawind Calima – das Wandern auf den kargen Höhenrücken zur Qual machen kann.
Bei meiner Wanderung Anfang Februar schwankten die Temperaturen auf La Gomera zwischen 10 °C und 26 °C. Man sollte also definitiv auf alles vorbereitet sein und das Zwiebelprinzip bei der Kleidung nutzen.
Meine Etappen auf dem GR131 über La Gomera
Tag 1: Start im Regen und steile Anstiege
Für mich begann alles in San Sebastián – bei strahlendem Sonnenschein am Busbahnhof. Doch schon während der eineinhalb Stunden dauernden Busfahrt nach Vallehermoso konnte ich beobachten, wie sich das Wetter rasant veränderte. Meine Ankunft am Startpunkt? Strömender Regen.
Nachdem ich kurz in einem Hauseingang auf Besserung gewartet hatte, siegte die Ungeduld und ich machte mich auf den Weg. Heute standen ohnehin so viele Höhenmeter auf dem Programm, dass ich von innen heraus nicht lange trocken geblieben wäre. Schon auf den ersten steilen Straßen aus dem Ort hinaus bereute ich meine recht inaktiven Wintermonate. Bis auf wenige kurze Abschnitte ging es fast ausschließlich steil bergauf.
An der Staumauer bei Rosa de las Piedras konnte ich auf einem kurzen Roadwalk kurz durchatmen, bevor der Weg wieder unerbittlich anstieg. Der Regen wurde hier so stark, dass meine Kamera meistens in der Tasche bleiben musste. Aber ich verspreche euch: Die ersten Kilometer durch den Nationalpark Garajonay waren atemberaubend. Das raue Wetter trug nur noch mehr zu dieser ganz besonderen, mystischen Urwald-Stimmung bei.
Nach etwa zehn Kilometern erreichte ich Las Hayas, wo ich für 66 Euro ein Dreibettzimmer gebucht hatte. Am ersten Tag wollte ich mich nicht gleich überlasten, und Wildcampen ist im Nationalpark ohnehin streng verboten. Mein Abendessen und Wasser für den nächsten Tag holte ich mir in der Casa Efigenia, da die Gaststätte meiner Unterkunft geschlossen war.
Tag 2: Nebel, Tafelberge und der Alto de Garajonay
Der Blick aus dem Fenster am nächsten Morgen war wenig einladend: kalt, neblig und feucht. Dennoch packte ich meine Sachen und ließ Las Hayas zügig hinter mir.
Das Wetter hatte ein Einsehen und wurde langsam besser. In Chipude gab es dann eine kleine Überraschung: Die Originalroute war kurzzeitig unpassierbar (anscheinend gab es in einem angrenzenden Haus einen Einbruch). Nach diesem Schreckmoment belohnte ich mich mit einem vorsichtig optimistischen Eis zum Frühstück und einer Cola als Kaffeeersatz.
Ein ständiger Begleiter in dieser Gegend ist der beeindruckende Tafelberg La Fortaleza. Er ist ein eigenes Naturschutzgebiet, beherbergt Überreste aus vorspanischer Zeit und gilt als geschütztes Kulturgut.
Tipp für euch: Bei Pavón zweigt ein Wanderweg vom GR131 ab, der hinauf zum Gipfel der Fortaleza führt. Von oben hat man einen gigantischen Blick auf den Süden und Westen La Gomeras sowie die Nachbarinseln El Hierro und La Palma. Ich habe den Abstecher zeitlich leider nicht mehr geschafft – aber wenn ihr etwas Puffer habt, lohnt sich das enorm!
Über Igualero (mit wunderschönen Bänken an der Kirche für eine Pause) ging es weiter zum Endspurt hinauf auf den Alto de Garajonay, den höchsten Punkt der Insel. Unterwegs blitzte immer wieder die Nachbarinsel La Palma am Horizont auf. Oben am Gipfel folgte ein kleiner Kulturschock: Nach der Einsamkeit des Weges hatte ich nicht mit so vielen Menschen gerechnet.
Der Abstieg auf der anderen Seite war wieder herrlich “urwaldmäßig”. Den restlichen Tag genoss ich fantastische Ausblicke auf Teneriffa und den Teide. Vorbei am markanten Vulkanschlot Roque de Agando wanderte ich weiter in die Abenddämmerung. An einem Rastplatz mit Grillstellen füllte ich meine Wasservorräte aus meinem Rucksack auf (Achtung: Das Wasser dort ist laut Schild kein Trinkwasser!). Mit vier Litern im Gepäck suchte ich mir schließlich einen versteckten Platz für mein Zelt.
Tag 3: Verlassene Terrassen und der Abstieg nach San Sebastián
Der finale Abstieg am nächsten Morgen führte mich über steinige, von Raben begleitete Wege in das kleine, ländliche Gebiet Ayamosna.
Die Gegend hier hat durch die Aufgabe der Landwirtschaft stark gelitten. Wo einst Getreide, Weizen, Gerste und Kichererbsen wuchsen und eine der wichtigsten Kornkammern La Gomeras war, sind die Terrassenfelder aufgrund des ausbleibenden Regens heute größtenteils von Wolfsmilchgewächsen (Cardones und Tabaibas) überwuchert. Was allerdings geblieben ist, sind die spektakulären und unverbauten Ausblicke hinunter auf mein Ziel: San Sebastián.
Mein kleiner Fail am Rande
Zum Schluss noch ein ehrliches Geständnis: Ich habe bei Vallehermoso leider den Einstieg verpasst. Ich dachte fälschlicherweise, der Wanderweg sei wegen einer Baustelle gesperrt, was sich als Irrtum herausstellte. Stattdessen bin ich der Straße gefolgt. Als mir der Fehler bewusst wurde, hatte ich ehrlich gesagt keine Lust mehr, umzukehren und die Strecke noch einmal zu laufen. Manchmal ist das eben so auf Tour!
Ich hoffe, ich konnte euch ein wenig für den GR131 begeistern. Ein kompaktes Video zu dieser Tour findet ihr übrigens auch auf meinem YouTube-Kanal.
Und das Abenteuer geht weiter: Im nächsten Beitrag nehmen wir uns den GR132 vor – wir umrunden La Gomera einmal komplett! Bleibt gespannt.












